1831 griff die Regierung einen schon 1777 gefassten Plan für einen
Kirchenbau unter Einbeziehung des alten Chores wieder auf. Doch auch diesmal
wurde es nichts mit dem neuen Gotteshaus. Die Marzahner wollten keine
Kirche, die anders aussah, als sie es gewohnt waren. Wieder war einige
Jahrzehnte Ruhe um die Marzahner Kirche.
Hatte die Regierung noch 1867 einen Erweiterungsbau vorgesehen, wurde wenig
später überraschend die neue Backsteinkirche unter Leitung des königlichen
Bauinspektors Bürkner errichtet. Dem Bau lag wahrscheinlich ein Entwurf von
Friedrich August Stüler aus dem Jahre 1857 zu Grunde. Stüler war nicht
irgendein Architekt. Seit 1845 war er alleiniger Berater des preußischen
Königs Friedrich Wilhelm IV. in Bauangelegenheiten. Viele bedeutende Bauten
stammen von ihm, so die Alte Nationalgalerie und das Neue Museum auf der
Berliner Museumsinsel.
Die Diskussionen um die Marzahner Kirche hatten sich jahrzehntelang
hingezogen, der Bau selbst ging dann schnell. In nur zweijähriger Bauzeit
wurde das Gebäude errichtet. Mit Pferd und Wagen fuhren die Einwohner nach
Rummelsburg und brachten von dort die gelben Herzfelder Hartbrandsteine
ebenso wie den in Erkner gebrannten Kalk ins Dorf. Die Maurerarbeiten führte
ein Meister aus Alt-Landsberg aus, die Zimmerer- und Tischlerarbeiten
erledigten vor allem Berliner Handwerker. Spätestens Anfang August 1871 war
die neue Marzahner Kirche fertiggestellt: ein einschiffiger Bau mit
Kreuzrippengewölbe, Westturm mit fensterverzierten, treppenartigen
Staffelgiebeln und im Innern hölzernen Emporen an drei Seiten.
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Nun gab es also zwei Kirchen in einem Ort, der damals nur gut 500 Einwohner
zählte. Die Legende berichtet, dass die Marzahner Bauern keineswegs
begeistert in ihr neues Gotteshaus strömten. Ungefähr drei Jahre lang
dauerte es, bis sie sich umgewöhnt hatten, dann allerdings äußerte die
Kirchengemeinde selbst den "dringenden Wunsch" nach einem Abriss der
jahrhundertealten Feldsteinkirche.
Eines hatte sich mit dem Kirchenneubau nicht geändert: man saß wie früher
und überall üblich streng nach sozialer Hierarchie in den Kirchenbänken.
Weiterhin war es auch der Pfarrer aus Friedrichsfelde, der die Predigt
hielt. Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es keinen im Dorf wohnenden
Pfarrer, seit etwa 1600 wurden die Einwohner durch Friedrichsfelde geistlich
betreut. Das blieb auch bis zum Zweiten Weltkrieg so, erst seit Oktober 1945
hat das Dorf wieder einen eigenen Pfarrer.
Weithin sichtbar überragt der knapp 25 m hohe Kirchturm die niedrigen Häuser
im Dorfkern. Etliches von der Inneneinrichtung aus der Bauzeit ist nicht
mehr vorhanden, Umbauten und Reparaturen fanden statt, Schäden durch Bomben
im Zweiten Weltkrieg sind zu beklagen. Modernisierungen wie der Einbau einer
Heizung oder die Ausstattung mit elektrischem Licht wurden vorgenommen.
Doch wenn wir heute auf die Marzahner Kirche blicken, bietet sie sich uns
fast ebenso dar wie den Dorfbewohnern und ihren Gästen bei der Weihe vor 130
Jahren. Ihre äußere Gestalt ist weitgehend erhalten. Seit 1985 steht sie
unter Denkmalschutz.