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Juni 2008 Faszinierend, zu welchen Leistungen Sportler imstande sind! Jahrelang haben sie auf dieses eine große Ereignis hin gelebt, trainiert, analysiert, Übungsmethoden verbessert … Diesen Einsatz hat schon Paulus bewundert – und warb für ebenso intensives Training im Glauben (vgl. 1 Kor 9,24ff). Denn auch Glauben geht nicht „von selbst“: Das Tun der Nächstenliebe erfordert Übung, das Kennenlernen der Heiligen Schrift braucht Eifer, Gebet und Gottesdienst verlangen Konzentration … |
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Mai 2008 Ich will nicht nur mit dem Geist beten, sondern auch mit dem Verstand. (1. Korinther 14,15) Ich bin dankbar für diesen Monatsspruch. Ruft er doch in Erinnerung, dass Glaube und Verstand kein Widerspruch sind. Denn heutzutage – so mein Eindruck – soll Religion vor allem einfach sein, etwas zum Wohlfühlen, bestenfalls eine Entlastung für den Alltag. Die Patchworkreligiosität eines Hape Kerkeling zum Beispiel mit einer Mischung aus Buddhismus mit christlichem Unterbau trifft den Nerv der Zeit (verkaufte Auflage des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“: 2 Millionen Exemplare), stellt sich aber nicht mehr der rationalen Auseinandersetzung, sondern bedient vielmehr eine eher anspruchslose Sehnsucht nach Religion. Der Tenor: Gute Religion muss der Seele gut tun – mehr nicht. Was stört mich konkret an einer Religion, die vorwiegend Gefühl ist, wenn sich doch viele damit wohlfühlen? Auf der einen Seite befürchte ich, dass eine Religion, welche die verstandesmäßige Reflexion verweigert, Gefahr läuft, fundamentalistisch zu werden. Charakteristisches Merkmal: Unübersichtlichkeit wird auf Übersichtlichkeit reduziert; Widersprüchliches bestenfalls ausgegrenzt, schlimmstenfalls bekämpft. Auf der anderen Seite glaube ich, dass eine möglichst einfache Religion nicht hilft, wenn es im Leben schwieriger wird. Kann eine Religion ohne „Ecken und Kanten“, ohne Fragen, mit denen ich mich auseinandersetzen muss, Antworten geben, eine tragfähige Hilfe sein, wenn es zu Brüchen im Leben kommt, wenn Zweifel Glauben und Hoffen infrage stellen? Ein Drittes: Der heute oft festzustellende Eventcharakter der Religion setzt auf sofortige Bedürfnisbefriedigung, doch zum Glauben gehört auch das geduldige Ausharren. Gott bleibt der immer Unverfügbare. Und das setzt auch dem Verstand Grenzen. Denn Gott übersteigt mein Verstehen. Was bleibt? Der Monatsspruch sagt es: Das Gebet – mit Geist und Verstand. Verstand und Geist gehören zusammen. Und es ist nicht erlaubt, die beiden voneinander zu trennen. Wir müssen und können nicht alles verstehen, was Gott für uns tut oder woran wir leiden. Aber das ist kein Grund, nicht verstehen zu wollen oder gar den Verstand auszuschalten. Peter Kane |
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April 2008 Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist mir zum Retter geworden (Exodus 15,2) Was ist eigentlich echte Stärke? Ist es Stärke, wenn man nur selten Angst spürt? Ist es ein Zeichen von Stärke oder von Schwäche, wenn man sie nicht zeigt? Und wo zeigt sich innere Stärke? Vielleicht gerade dort, wo man der Angst nicht das letzte Wort lässt. Vielleicht auch dort, wo man nachgeben kann, ohne das eigene Recht unbedingt verteidigen zu müssen. Aber in vielen Situationen gilt es, die eigene Angst zu besiegen und sich von ihr nicht übermächtigen zu lassen. Der Glaube jedenfalls tritt an gegen die Angst. So war es beim Exodus der Israeliten. Sie zogen geleitet von Mose und verfolgt von der Streitmacht des Pharao aus Ägypten hinaus und gelangten ans Meer. Voller Angst schrieen sie zum Herrn, so schreibt der biblische Bericht, als sie hinter sich die ägyptischen Soldaten erblickten. Aber das Wasser teilte sich. Trockenen Fußes erreichte Israel das Ufer. Die zurückflutenden Wassermassen rissen die ägyptischen Soldaten ins Meer. Nach dieser Befreiung hat das Moselied seinen Ort, aus dem der Monatsspruch für Juni stammt: Nicht um ihre Angst zu vertreiben, hatten die Israeliten zu singen begonnen, sondern hinterher erst – aus Dankbarkeit über die erfolgte Rettung. Wiedergewonnene Stärke mündet in ein Lied, das die Erleichterung über Rettung aus Gefahr erklingen lässt. Der Vers aus dem Exodus-Buch identifiziert Gott mit dem Lied der Israeliten: Mein Lied ist der Herr. Er ist es, der Angst wandelt in Mut; Gott gibt nicht nur, mehr noch, er ist Stärke, einen Weg weiterzugehen, auch wenn er in ungewisse Zukunft führt oder mitten hinein in tosendes Meer. Gott gibt uns hierfür nicht nur ein Lied, mehr noch: Er ist es selbst, dieses Lied, das uns zur Stärke gereicht, so wie er uns zum Retter wird. Er ist ein Gott, der das Nichtseiende ruft, dass es sei. Er schafft es tatsächlich, das Wunder: Er wandelt unsere Schwäche in Stärke. Uwe Rieske |
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März 2008 Deodato di Orlandi, Trauernder Johannes Jesus Christus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. (Johannes 16,22) Unterwegs sein in den Tagen nach dem Tode Jesu. Es ist diese Situation, die Jesus in seinen Abschiedsreden anspricht. Die Schritte sind schwer durch Enttäuschung und Schmerz nach einem hoffnungsvollen Leben mit Jesus. Die Schritte sind ängstlich und ziellos durch Verzweiflung und Ungewissheit nach einem verheißungsvollen Leben mit ihm. Fragen und Unsicherheit, Zweifel und Angst beschäftigen die Jünger und auch wir kennen diese Erfahrung nur zu gut. Die Jünger begegnen dem Auferstandenen. Diese Begegnung führt sie von der Dunkelheit zum Licht, vom Heute in die Ewigkeit. Er war mitten unter ihnen. Aber sie haben lange gebraucht, bis die Auferstehung, die längst stattgefunden hat, in ihren Herzen lebendig geworden ist. Erst als sie intensive Gottesbeziehung spüren, als die Liebe sie zart berührt und das Vertrauen ihre Herzen tief bewegt – erst dann verschwindet ihre Angst, dann können sie „Ja“ sagen zu dem, der auferstanden ist und uns lebendig entgegenkommt. Wie sehen unsere
Auferstehungserfahrungen aus? Ostern möchte einen Unterschied in unserem
Fühlen und Denken bewirken, möchte spürbar machen, dass das Wesentliche
nicht mit den Augen sichtbar ist, sondern im Herzen brennen wird. So
kann sich auch in unsere Tränen über Trauer und Schmerz ein
geheimnisvolles Lächeln mischen - darüber, dass wir alle einen Rückhalt
haben und gehalten sind im Vertrauen auf Gott – selbst dann, wenn wir
haltlos werden –, denn er allein kann Leben tragen und entfalten. Dabei
heißt die Botschaft von Ostern keinesfalls: Du musst lächeln. Im
Gegenteil: Du darfst mit deinen Tränen zum Fest der Auferstehung kommen,
deine Tränen bleiben nicht ungesehen, sie stören nicht und sie sind
nicht peinlich. Denn der ist erlöst, der spürt und weiß: Ich darf zum
Fest kommen und bleiben mit meinem Leid und mit meiner Angst. Dies ist
ein Fest, bei dem ich so sein darf, wie ich bin, bei dem ich mich nicht
zum Lächeln zwingen muss, wie vielleicht sonst im Alltag. Wie sagt Jesus
zu seinen Jüngern, die sich mit dem Glauben an den Auferstandenen schwer
tun? Ihr da, mit euren Ecken und Kanten, euren Schwächen und Ängsten,
ihr seid Zeugen des Lebens, Zeugen der Hoffnung, Zeugen der Liebe. So
schön ist Auferstehung! Peter
Kane |
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Februar 2008 Jesus Christus spricht: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Markus 2,17) Der
Monatsspruch für den Januar ist beim ersten Hören einsichtig: Was
brauchen die Gesunden einen Arzt und die Gerechten Vergebung und
Barmherzigkeit? Und dann schaue ich in unsere Gemeinden und sehe –
zumindest dem ersten Augenschein nach – den Monatsspruch auf den Kopf
gestellt. In unserer durchschnittlichen Kirchengemeinde bürgerlichen
Zuschnitts begegne ich nur selten ehemaligen Strafgefangenen, kaum
Prostituierten, selbst mit Geschiedenen tut man sich mancherorts noch
schwer. Und ich stelle fest (ohne verallgemeinern zu wollen), dass viele
unserer Gemeinden unbewusst und unsichtbar Mauern gegenüber denen
aufgebaut haben, die sich mit der sogenannten „bürgerlichen Moral“, mit
dem „Mainstream“ unserer Gesellschaft schwer tun. Und ist es wichtig,
dass unabhängig von allen Milieustudien ich selbst und hoffentlich viele
andere sensibler für diesen Umstand und dadurch einladender für die an
den Rand Gedrängten werden. Soweit dem ersten Augenschein nach. Und dann
lasse ich mich von diesem Jesuswort direkt ansprechen, schiebe
soziologische und gemeindepolitische Aspekte mal beiseite. Und muss mich
ernsthaft fragen: Bin ich trotz aller Selbstzufriedenheit (oder
vielleicht Selbstgerechtigkeit) nicht auch ein Sünder? Und das jetzt
nicht im abstrakten Sinn, sondern ganz konkret! Gab es im abgelaufenen
Jahr nicht genug Mist, den ich gebaut habe, vielleicht nicht immer ganz
offensichtlich, aber doch in Gedanken und im Herzen? Neben Licht eben
auch viel Schatten. Dass ich es verdränge, ist ganz normal, denn mit mir
selbst im Reinen zu sein, ist für mein Wohlbefinden sehr wichtig, doch
der Monatsspruch öffnet mir die Augen: Mit mir ins Reine zu kommen, das
kann ich nicht selbst leisten, das kann ich mir nur schenken lassen, das
ist mir schon längst geschenkt worden. Durch Jesus, dessen „Therapie“
ihm am Kreuz das Leben gekostet hat, um uns alle zu heilen. Mein
Neujahrswunsch für uns: Uns von Jesus heilen zu lassen, damit wir
heilsam füreinander und andere werden. |
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November
Wer das Gute tun kann und
es nicht tut, der sündigt. Das Wort Sünde oder als Verb sündigen kommt uns in Bibel wie Alltag ja recht häufig vor. Es wandelt sich auch in seiner Bedeutung vom Verstoß gegen das Gottesgebot bis hin zum alltäglichen lässlichen kleinen Fehlverhalten. Ich lese diesen Satz aus dem Jakobusbrief fast ein wenig wie eine Definition. Die geht von zwei Voraussetzungen aus. Erstens: Ich weiß, was gut ist. Zweitens: Ich bin mir im Klaren, was ich bewegen kann. Jakobus sieht lebendigen Glauben immer aufs engste verbunden mit dem Tätigwerden. Deshalb sieht er das Unterlassen dessen, was einem Menschen an Gutem zu tun möglich ist, als den Fall wo der Mensch seiner Bestimmung vorsätzlich nicht gerecht wird. Das ist Sünde. So erwächst uns aus dem Guten, das uns gesagt ist, Gott lieben und den Nächsten wie auch sich selbst, die Aufgabe zu prüfen, welches Tun dieses Wissen von uns im Leben erfordert. Dabei gilt es wohl zu unterscheiden was in unserer bescheidenen Macht liegt und was nicht, andererseits auch zu bedenken, dass die Summe der kleinen Schritte weite Wege bezwingt.
Thomas Kunz Oktober 2007 Wer bemerkt seine eigenen
Fehler? Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist.
Unwissenheit schützt vor
Strafe nicht, sagt ein volkstümlich formulierter Rechtsgrundsatz. Das heißt,
auch wenn mir nicht die Rechtswidrigkeit meines Tuns bewusst ist, wird es
dennoch vom Gesetzgeber geahndet. Wie oft aber werden wir auch ohne
Gesetzesbruch schuldig. Ein falsches Wort, eine unüberlegte Handlung und schon
haben wir einem Mitmenschen beleidigt, seine Seele verletzt, nicht vorsätzlich
sicherlich aber deswegen nicht weniger schmerzvoll und lang anhaltend. Das Gebot
der Nächstenliebe ist gebrochen. Eigentlich könnte ein Gott, der nach
Verdiensten richtet, jetzt strafen. Aber unser gnädiger Gott hat ein anderes
Rechtsverständnis. Er weiß um die Grenzen unserer Achtsamkeit, unsere
Leichtfertigkeit in Wort und Tun. Sein Grundsatz: das Tun vom Menschen trennen.
Und Gnade walten lassen. Deshalb darf der Psalmbeter sich auch berechtigt
Hoffnung machen: Freispruch für den, der sich nicht selbstbetrügerisch stets für
unschuldig hält. |
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