Zur Bedeutung und zum Sinn der Bekenntnisschriften

„Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater." Matthäus 10,32
„Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist." 1. Petrus 3,15
In den Bekenntnisschriften sind die zentralen und wesentlichen Inhalte des christlichen Glaubens ausgesagt und knapp zusammen gefasst. Bekenntnisse sind keine Gebete und sie sind nicht an sich „heilig". Sie sind jeweils in einer bestimmten geschichtlichen Situation entstanden und wurden durch theologisch-kirchliche Probleme und durch gesellschaftliche Verhältnisse geprägt, die sich inzwischen zum Teil grundlegend verändert haben. Deshalb sind zum Verständnis der Texte zeitgeschichtliche Erläuterungen notwendig. Manche Aussagen erscheinen missverständlich und können nicht ohne zusätzliche Erklärung in unsere Zeit übernommen werden. fast alle Bekenntnisse sind so in Abgrenzung gegen andere „Irrlehren" entstanden- sie sollten festhalten, woran es wichtig und notwendig ist, als Christ zu glauben. Zum Glauben heute gehört aber auch die Kenntnis der Glaubensüberlieferung vergangener Zeiten - das „Glaubensgut unserer Glaubensvorfahren. Deswegen nimmt die Kirche der Gegenwart das Zeugnis derer auf, die vor uns geglaubt haben. So lässt sich die Kirche zum rechten Verständnis der Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments auch durch Bekenntnisse anleiten. Sie wird zu eigenem Bekenntnis angesichts der Herausforderungen unserer Zeit ermutigt. Die wichtigsten Bekenntnisse heute sind das Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolicum) und das älteste gemeinsame Kirchenbekenntnis aus Nizäa und Kostantinopel (im EG Nr. 804 und 805).
Das Apostolische Glaubensbekenntnis verbindet als Taufbekenntnis weltweit viele Kirchen. Die evangelischen Kirchen bekennen es in Gemeinschaft mit der römisch katholischen Kirche, der altkatholischen Kirche, den anglikanischen und anderen Kirchen.
Dieses Bekenntnis geht in seinem Kern auf das Taufbekenntnis in den ersten Jahrhunderten zurück; seine Bestandteile sind ursprünglich kurze Fragen an Taufbewerber gewesen, die diese mit »Ja« beantworteten. In späteren Fassungen wurden daraus dann die Bekenntnisaussagen: »Ich glaube an Gott, den Schöpfer... « Seit Anfang des 5.Jahrhunderts ist das Apostolische Glaubensbekenntnis in seiner heutigen Form schriftlich belegt.
Als Bekenntnis im sonntäglichen Gottesdienst erscheint es erst sehr spät und hat heute neben dem Bekenntnis von Nizäa- Konstantinopel gleichberechtigt seinen Platz in der Ordnung des lutherischen Gottesdienstes. Seit jeher wurde es als eine kostbare Zusammenfassung des Glaubens der Kirche angesehen.
Im Apostolischen Glaubensbekenntnis sprechen katholische Christen im 3. Artikel etwas anders: „Die heilige katholische und apostolische Kirche".
Das aus dem Griechischen stammende Wort »katholisch« im dritten Abschnitt des Urtextes heißt »auf das Ganze bezogen« und drückt aus, dass die Kirche auf der ganzen Welt verbreitet ist und dass das Evangelium allen Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten gilt. Dieses Wort dient also nicht zur Bezeichnung einer bestimmten Konfession; deshalb übersetzen es die evangelischen Kirchen mit »christlich« oder »allgemein«.
Daneben sind eine Reihe anderer Glaubens- und Kirchenbekenntnisse in den Evangelischen Kirchen verbreitet.
Das wichtigste ist das „AUGSBURGER BEKENNTNIS" von 1530 (=EG 808), mit dem sich die Evangelischen Länder und Reichstädte ihr Recht auf freien Glauben formuliert haben. Die Artikel über Rechtfertigung, Glaube, Abendmahl und Kirche sind auch heute noch überall grundlegend.

Martin Luthers „KLEINER KATECHISMUS" ist neben weiteren Schriften in den Rang einer Bekenntnisschrift gekommen- in ihm werden alle wichtigen Glaubenslehren einfach erklärt. Millionen von evangelischen Christen lernten es in der Vergangenheit auswendig Reformierte Christen in Deutschland bekennen sich zum „HEIDELBERGER KATECHISMUS", der viele Glaubensfragen- und Antworten stellt.
Im 20. Jahrhundert ist die BARMER THEOLOGISCHE ERKLÄRUNG (Bekenntnis= EG 810) berühmt geworden: Christen der Bekennenden Kirche wehrten sich gegen die Vereinnahmung durch faschistischen Staat und „Deutsche Christen" -sie legten 1934 ein aktuelles Glaubensbekenntnis ab.

Die LEUENBERGER KONKORDIE von 1973 regelt das gemeinsame Bekenntnis und Wege zum Abendmahl für Lutherische und Reformierte Evangelische.
Bekenntnisse - ein notwendiges Übel ?
Für Christen gehörte es immer dazu, den eigenen Glauben zu bekennen - miteinander, im Gottesdienst, bei der Taufe und vor Andersdenkenden. Der eigene Glaube an Gott begründete ja das neue und andere Leben eines Christen.
Das Glaubensbekenntnis konnte und kann bis heute daran erinnern - also ins Gedächtnis rufen und auch ermahnen.
Schon im Alten und Neuen Testament sind uns mehrere einfache Glaubensbekenntnisse überliefert. Sie sind die Grundlage der späteren, weltweit verbreiteten Bekenntnisse geworden (siehe auch Phil 2,6-11; Rom 1,3; Das Petrus- Bekenntnis in Mk 8,29 und im Alten Testament das „Höre Israel" im 5. Mose 6,4-9.
Der große Reformator Philipp Melanchthon (Bibelübersetzer, Freund Luthers und Begründer kirchlicher Ordnungen) stellte in seiner »Apologie« fest: »Ein Glaube ist nicht stark, der sich nicht im Bekenntnis bezeugt«.
NEUES GLAUBENSZEUGNIS
Das gemeinsame Glaubensbekenntnis der christlichen Kirche, für die Kirchen der abendländischen Christenheit zum Aus druck gebracht im Apostolischen und im Nizänischen Bekenntnis, ist ein gemeinsam gesprochener oder gesungener Vergewisserungstext im Gemeindegottesdienst. Wie es bei den Texten der biblischen Überlieferung der Fall ist, muss auch ein solcher Text immer wieder ausgelegt und aktualisiert werden (Predigt, Katechismusunterweisung).

In diesem Zusammenhang sind neue Glaubenszeugnisse entstanden, die den Inhalt des überlieferten Glaubensbekenntnisses sprachlich neu fassen oder aktualisierend erweitern. Daneben gibt es auch Glaubenstexte, die ein Teilstück des Glaubens besonders entfalten und einprägen. Es entspricht dem Wesen solcher Glaubenszeugnisse, dass sie der Predigt folgen, auf deren Aussagen sie bezogen sind.
Die neuen Texte sind kein Ersatz für das gemeinsame kirchliche Glaubensbekenntnis, sondern Hilfen zum besseren Verständnis des überlieferten Glaubens und Anstöße zum Bezeugen des Glaubens in der Gegen wart. Deshalb werden sie wie andere Ausdrucksformen des Glaubens (Glaubenslieder, vgl. EG 183, 184) oder katechetische Texte (z. B. Luthers Katechismus-Erklärungen zu den drei Glaubensartikeln) gelegentlich und aus besonderem Anlass verwendet.
 
Wir sind nicht allein; wir leben in Gottes Welt.
Wir glauben an Gott,
der die Welt geschaffen hat und in ihr wirksam ist,
der in Jesus gekommen ist, um zu versöhnen und neu zu machen.
Wir vertrauen auf Gott,
der uns beruft, Kirche zu sein, andere zu lieben,
Gerechtigkeit zu suchen und Bösem zu widerstehen,
Jesus zu verkünden, den Gekreuzigten und Auferstandenen,
unseren Richter und unseren Beistand.
Im Leben, im Tod und im Leben nach dem Tod ist Gott mit uns.
Wir sind nicht allein. Dank sei Gott.
 
Das Nizänische Glaubensbekenntnis (Ökumenische Fassung)
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt
unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wieder kommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, allgemeine
und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe
zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
 
Wir glauben an den einen Gott,
der Himmel und Erde geschaffen hat
und uns Menschen zu seinem Bild.
Er hat Israel erwählt, ihm die Gebote gegeben
und seinen Bund geschlossen zum Segen für die Völker.
Wir glauben an Jesus von Nazareth,
den Nachkommen Davids, den Sohn der Maria,
den Christus Gottes.
Mit ihm kam Gottes Liebe zu allen Menschen,
heilsam, tröstlich und herausfordernd.
Er wurde gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
aber Gott hat ihn auferweckt nach seiner Verheißung,
uns zur Rettung und zum Heil.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der in Worten und Zeichen an uns wirkt.
Er führt uns zusammen aus der Vielfalt des Glaubens,
damit Gottes Volk werde aus allen Völkern,
befreit von Schuld und Sünde,
berufen zum Leben in Gerechtigkeit und Frieden.
Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir
auf das Kommen des Reiches Gottes.
Wir glauben an Gott,
den Ursprung von allem, was geschaffen ist, die Quelle des Lebens, aus der alles fließt, das Ziel der Schöpfung, die auf Erlösung hofft.

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
 
Wir glauben an Gott, den Vater.
Er gab denen, die unter der Knechtschaft litten, seine Liebe.
Er gab denen, die fremd waren im Land, ein Zuhause.
Er gab denen, die unter die Räuber fielen, seine Hilfe.
Wir glauben an Jesus Christus, Sohn Gottes,
unsern Bruder und Erlöser.
Er gab denen, die Hunger hatten, zu essen,
er gab denen, die im Dunkel lebten, das Licht.
Er gab denen, die im Gefängnis saßen, die Freiheit.
Wir glauben an den Heiligen Geist.
Er gibt denen, die verzweifelt sind, neuen Mut. Er gibt denen, die in der Lüge leben, die Wahrheit.
Er gibt denen, die die Schrecken des Todes erfahren, die Hoffnung zum Leben.
 
Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Wir glauben an Gott, den Vater.
Er gab denen, die unter der Knechtschaft litten, seine Liebe.
Er gab denen, die fremd waren im Land, ein Zuhause.
Er gab denen, die unter die Räuber fielen, seine Hilfe.
Wir glauben an Jesus Christus, Sohn Gottes,
unsern Bruder und Erlöser.
Er gab denen, die Hunger hatten, zu essen,
er gab denen, die im Dunkel lebten, das Licht.
Er gab denen, die im Gefängnis saßen, die Freiheit.
Wir glauben an den Heiligen Geist.
Er gibt denen, die verzweifelt sind, neuen Mut.
Er gibt denen, die in der Lüge leben, die Wahrheit.
Er gibt denen, die die Schrecken des Todes erfahren, die Hoffnung zum Leben.
 
Wir glauben an Jesus Christus,
den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren.
Ein Mensch, der Kinder segnete, Frauen und Männer bewegte,
Leben heilte und Grenzen überwand.
Er wurde gekreuzigt.
In seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen
und uns zur Liebe befreit.
Wir glauben an Gottes Geist,
Weisheit von Gott, die wirkt, wo sie will.
Sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung,
die auch der Tod nicht zerstört.
In der Gemeinschaft der Glaubenden
werden wir zu Schwestern und Brüdern,
die nach Gerechtigkeit suchen.
Wir erwarten Gottes Reich.
Gott, Ursprung des Lebens,
Grund allen Seins, unsere Hoffnung.
Gemeinde: Dich loben wir.
Jesus Christus, Gottes Sohn,
aus dem Tod Erstandener, unser Leben.
Gemeinde: Dir danken wir.
Geist des Lebens,
heilender Atem Gottes, unsere Kraft zur Versöhnung.
Gemeinde: Dich beten wir an.
Du, Gott, schaffst neu die Erde. Dich, Gott, bekennen wir vor aller Welt.
Dir vertrauen wir uns an in Zeit und Ewigkeit.