Das mach ich mal!

Bibelwort: Römer 9,14-24

Wenn ich Paulus lese, muss ich immer tief Luft holen. Besonders heute. Da ist nichts zu machen als tief durchzuatmen und zu hoffen, die Worte des Paulus verstehen zu können. Wer bist du denn, Mensch, dass du mit Gott dein Leben aufrechnen willst?, schreibt Paulus den Christen in Rom. Gott kann machen, was er will. Auch mit Menschen. Seit wann beschwert sich denn der Ton über das, was der Töpfer mit ihm macht? Gott also kann seine Gefäße streicheln oder in Stücke schlagen, sagt Paulus. Alles liegt einzig und allein an Gottes Erbarmen.



Bibelwort auf der Homepage der evangelischen Gemeinde / Dorfkirche Berlin Altmarzahn

Einerseits klingt das furchtbar, andererseits sehr tröstlich. Und Paulus hat ja Recht. Und er erlebt dieses Recht Gottes sogar noch am eigenen Leib. Paulus ist kränkelnd sein Leben lang. Paulus ist selten zufrieden mit seiner körperlichen Gestalt. Paulus erlebt sich als geprüft. Und wenn er – was wir nicht so genau wissen – mit Gott gezürnt hat, dann ist das Ergebnis doch immer das Gleiche: Er fügt sich in sein Geschick. Genauer gesagt: Er anerkennt die Größe, die Macht und den Willen Gottes. Und gibt damit ein Beispiel für das, was ich machen kann. Ich kann Ja sagen zu Gottes Willen. Möglichst ohne Wenn und Aber. Und werde dann wie Paulus erkennen, dass alles Tun Gottes an mir nichts anderes ist als Erbarmen, hoffentlich.

Michael Becker

Bibelwort: Apostelgeschichte 16,9-15

Die drei Ordensschwestern bewohnten eine kleine Wohnung in einem tristen Mietshaus im Arbeiterviertel der Stadt. Die wichtigsten Zimmer waren die Küche und ein Stübchen, das als Andachtsraum diente.

„Komm rein, schön, dass du da bist.“ Vielleicht sagten sie das nicht jedes Mal, aber ihre Gesten drückten genau das aus – egal, wer bei ihnen anklopfte. Jeder Gast wurde willkommen geheißen, durfte, am Küchentisch sitzend, reden oder schweigen – die meisten waren froh, endlich mal über das zu reden, was ihnen schwer auf der Seele lag. Jeder durfte an den Andachten und Bibelgesprächen teilnehmen. Ich war beeindruckt zu erleben, wie viele Menschen, die mit Kirche nur noch wenig am Hut hatten, in Kontakt mit diesen Schwestern standen, die doch fest in die Kirchengemeinde eingebunden waren. Gründe für das Vertrauen der Leute zeigten sich schnell: die Schwestern arbeiteten bewusst im sogenannten Niedriglohnbereich und kamen so mit einfachen Menschen ins Gespräch. Sie waren allen Leuten gegenüber offen und unvoreingenommen, nahmen die Lebens- und Glaubensnot ihrer Mitmenschen ernst. Sie drängten sich nicht auf, doch wie sie ihren Glauben lebten, ganz unaufgeregt und selbstverständlich, veranlasste manchen, nach ihrem Fundament zu fragen.

Vielleicht hatte Paulus so etwas im Sinn, als er aus Philippi berichtete: Wir gingen hinaus, setzten uns und redeten mit den Menschen, die dort zusammenkamen. Ich kenne Menschen, denen gut täte, wenn ich mal zu ihnen „hinaus“ ginge.

Gundula Kühneweg

Bibelwort: 2. Korinther 4, 3-6

Manchmal ist alles voller Licht. Manchmal ist alles voller Klarheit und Wahrheit. Heute ist das so. Am Epiphaniastag, dem Tag der Erscheinung Jesu. Vom ersten Tag der Christenheit an ist das Licht ein Symbol für die Gegenwart Jesu in der Welt. Wo es leuchtet und wo alles voller Klarheit ist, da ist Gott in seinem Sohn gegenwärtig. Und wo Jesus ist, da ist Glaube, Liebe und Hoffnung.

Bibelwort auf der Homepage der evangelischen Gemeinde / Dorfkirche Berlin Altmarzahn 
Das Licht das auf die Dunkelheit fällt, verwandelt sie.

Aber so rein ist das Leben leider nie. Man kann es so sagen und so glauben, aber die Wirklichkeit der Welt ist überall vielschichtiger. Es gibt Düsternisse, es gibt schreckliche Finsternis, es gibt Traurigkeit und Wehklagen und eine nicht enden wollende Suche nach etwas Licht und Wärme. Es gibt Menschen, die sind stumpf geworden und haben jedes Hoffen verlernt. Wie lebe und glaube ich, wenn ich daran denke?

Ich gebe nicht auf, sondern bekenne noch mutiger. Ich singe noch inniger. Ich bitte noch kraftvoller. Es muss Gott doch möglich sein, auch diese Finsternisse zu erhellen. Es muss Gott doch möglich sein, auch dem Hoffnungslosen ein neues Licht scheinen zu lassen. Also bitte, ja flehe ich darum. Und je mehr wir alle Gott bitten, desto mehr entsteht durch uns die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes. Die leuchtet dann auch denen, die im Dunkeln sind.

Michael Becker

Bibelwort: 2. Petrus 1,16-19(20-21)

 „Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.“ Ein starkes Argument: Der Verfasser des Petrusbriefes unterstreicht seine Glaubensverkündigung damit, dass er Augenzeuge der Verklärung Jesu gewesen ist. Mit einem Haken: Petrus kann nicht der Verfasser des zweiten Petrusbriefes sein, da dieser Brief nach dem exegetischen Befund die jüngste Schrift des Neuen Testaments ist und in der Mitte des zweiten Jahrhunderts verfasst wurde. Auch wenn man der antiken Vorgehensweise Rechnung trägt, der eigenen Schrift den Namen einer Autorität voranzustellen, um ihr größere Geltung zu verschaffen, hinterlässt dies für unser modernes Verständnis einen schalen Nachgeschmack: Hier schreibt einer vom Hörensagen. Oder?

Hier schreibt jemand, was er selbst erlebt hat. Nicht die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor, doch die Herrlichkeit und die Gottessohnschaft Jesu. Hier schreibt jemand von seinen Glaubenserfahrungen – im Gebet, in der Gemeinschaft, im Gottesdienst. Und damit ist uns der Verfasser des zweiten Petrusbriefes auch nach fast zweitausend Jahren auf einmal ganz nahe. Denn wir können und dürfen Gott in unserem Leben genauso erfahren wie er; und wir dürfen, ja wir sollen davon auch sprechen. Wir können für unser Glaubenszeugnis nicht mehr die Autorität des Petrus bemühen, doch deshalb ist es nicht weniger wertvoll. Unsere Autorität ist unser Leben. Ob wir das, was wir glauben und wovon wir reden auch leben oder es zumindest versuchen.

Michael Tillmann