Glaubensorte

Glaubensorte auf der Homepage der evangelischen Gemeinde / Dorfkirche Berlin Alt - Marzahn 

Die Franckeschen Stiftungen bei Halle

 

Einen materiellen wie auch ideellen Schatz stellen die Franckeschen Stiftungen zu Halle da. Das 1700 durch August Hermann Francke gegründete Waisenhaus mit seinem anschließenden, überwiegend aus Fachwerk bestehenden Gebäudeensemble, darunter das größte Fachwerkhaus Deutschlands – ein außergewöhnliches Kulturdenkmal europäischen Ranges, das auf der Aufnahmeliste des Weltkulturerbes steht. Und das Werk und die Ideen des Gründers August Hermann Francke (1663–1727), ein Gedankengebäude – geprägt von pietistischer Frömmigkeit und progressiver Pädagogik –, dessen grundlegende Idee noch heute, gut 300 Jahre nach ihrer Entstehung, fesselt.

Der pietistische Theologe und spätere Pädagoge August Hermann Francke (1663–1727) übernahm 1692 in Glaucha bei Halle eine Pfarrstelle. Gegen die Armut und die soziale Verwahrlosung vieler Menschen gründete er eine Waisenschule, aus der bis 1700 ein Waisenhaus entstand. Um das Waisenhaus herum wuchsen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Schulen, wissenschaftliche Institute, Wirtschaftsbetriebe und landwirtschaftliche Güter – beachtenswerte Zeugnisse christlicher Nächstenliebe.

Von den Franckeschen Stiftungen gingen Innovationen aus, die bis heute ihre Spuren zeigen: die erste protestantische Mission (1706 in Indien), die weltweite Ausbreitung des Halleschen Pietismus, Millionen deutschsprachiger Volksbibeln sowie die erste Realschule und das erste Lehrerseminar Deutschlands. Auch nach dem Tod Franckes, im weiteren Verlauf des 18. und im 19. Jahrhundert etablierten sich die Stiftungen als Schulstadt und bestanden bis 1946 als christliche und humanistische Einrichtung fort. Zwischen 1946 und 1991 verloren sie ihre Selbstständigkeit, die sie 1992 wieder erlangten. Heute sind die Stiftungen wieder ein Zentrum kultureller, wissenschaftlicher, pädagogischer, sozialer und christlicher Einrichtungen mit Kindergärten, Kinderkreativzentrum, Schulen, einem Haus der Generationen, einer Jugendwerkstatt, einem Bibelzentrum, traditionsreichen Gewerbebetrieben, musealen Einrichtungen, Forschungseinrichtungen und vielem mehr. Über 4.000 Menschen lernen, lehren, arbeiten und leben heute wieder in den Franckeschen Stiftungen.