|
Hier geht es direkt zu den Neuigkeiten! Die alte Dame Kirche |
|
|
„Ich glaube an mich“. Das sagen viele, wenn sie nach dem Glauben gefragt
werden. Sie sagen nicht Gott oder Liebe oder ’was sonst. Sie glauben an
sich, sagen sie. Es gibt also viel Glauben jenseits der Kirche. Die alte
Dame Kirche hat es schwer. Die Zahl der Mitglieder sinkt. Ich glaube an
mich, sagen viele. Ich brauche keine Institution. Die ist mir
verdächtig. Ich will selber denken, sagen Menschen. Ich achte das. Und denke trotzdem anders. Es ist mir zu wenig, an mich selber zu glauben. Ich weiß einfach zu wenig. Mir genügt es nicht, nur an mich zu glauben. Da geht mir schnell die Luft aus. Einmal läuft es nicht nach Plan – schon werde ich unsicher. Mir bläst der Wind ins Gesicht – schon habe ich Angst umzufallen. Ich werde krank und gerate aus meiner Bahn. Und weg ist der Glaube an mich. Dann merke ich: ich bin gar nicht so stark. |
|
Da muss noch mehr sein als nur ich selbst.
Dann ist sie da, die alte Dame <Kirche. Mit allem, was sie zu bieten hat.
Eine lange Geschichte, wichtige Menschen, herrliche Gebäude. Da muss ja
’was dran sein. Das gibt es seit 2.000 Jahren. Vieles war nicht in
Ordnung. Manches falsch. Irrungen und Sünde. Das tut mir weh. Das will
ich nicht weg reden. Aber sie ist noch da, die alte Dame. Hat offene
Arme. Nimmt mich auf mit meinen Zweifeln. Ist nicht schlimm, sagt sie,
wenn du zweifelst. Macht nichts, sagt sie, wenn du nicht mehr nur an
dich glauben kannst. Es gibt noch mehr Glaube. Hier ist er, sagt die
alte Dame. Bei mir.
Gottes
Fingerabdruck „Glaube
ist Privatsache“ – dieses „Glaubensbekenntnis“ ist im 21. Jahrhundert
zur Selbstverständlichkeit geworden. Während sich beispielsweise
Männlein und Weiblein nicht mehr nur in spätabendlichen Talkshows mit
den abstrusesten Sexualpraktiken ungefiltert outen, ist die Frage nach
dem persönlichen Glauben – in der Öffentlichkeit wie im privaten Leben –
noch immer weitgehend tabu. Auflösungstendenzen dieses Tabus sind zwar
durchaus zu beobachten, es gibt wieder – auch junge – Journalisten, die
Promis aller Couleur die Gretchenfrage stellen. Doch Fragen und
Antworten zeugen oft genug von großen Unsicherheiten, Unwissen oder
selbst gemixten Bekenntnisfragmenten verschiedenster Religionen und
Pseudoreligionen. Wo das Individuum verabsolutiert im Mittelpunkt steht,
wo Toleranz zur Gleichgültigkeit wird und demokratische Grundrechte in
Gleichmacherei abgleiten, muss jede und jeder selber sehen, welches der
globalen (Un-)Sinnangebote er oder sie annimmt. Keine leichte Aufgabe,
und manch ein junger Mensch zerbricht daran, sich den eigenen sinnvollen
Weg im Leben zu bahnen. Wer die Glaubenswahl hat, hat die Seelenqual.
Und doch, entgegnet der gläubige Christ, und doch hat Gott mit jedem
Menschen seinen ganz eignen und einzigartigen Weg, wie krumm und
verwinkelt dieser auch sein mag. Gott kennt da kein Tabu. Weil Gott den
Namen eines jeden Menschen in seine Hand geschrieben hat, ist jeder
Glaubensweg – so verworren er sein mag – unverwechselbar und einzigartig
sein Fingerabdruck im Leben eines jeden Menschen. Anne Weinmann Letzte Änderungen: 10.08.2008 Neue Rubrik "Gemeindeblatt", hier können
Sie die Gemeindeblätter der neuen Redaktion downloaden.
|
|