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Predigt zum 1. Weihnachtsfeiertag
25.12.07/Seniorengottesdienst am 21.12. 2007
Gal 4,4-7
Friede sei mit Euch !
Liebe Gemeinde,
Wissen Sie noch, wie Ihr Weihnachtsfest im vergangenen
Jahr war? Viele von Ihnen haben eine ganze Reihe von Weihnachtsfesten
erlebt.
Sie haben früher vielleicht ungeduldig gewartet, sich
auf Geschenke gefreut, - oder tun es jetzt noch.
Vielleicht die Älteren in der Kriegs- und
Nachkriegszeit sich über das Wenige gefreut, das man hier haben konnte.
Aber eines ist immer gewesen:
Weihnachten. Das Fest ist nie ausgefallen, so traurig seine
Umstände und seine Zeit manchmal auch gewesen ist.
Und: Sie haben sich sicherlich vorbereitet: Da war
viel zu basteln oder Kuchen oder Plätzchen zu backen, es gab viel zu
arbeiten, Leute zu besuchen, andern eine Freude zu machen – denke ich
doch.
Von solcher Freude und Erwartung lebt das
Weihnachtsfest bei uns Menschen.
- Nach wie vor. Wir wissen, dass es eintreten wird,
auch wann, und wie etwa wir es feiern wollen,
aber wir wissen noch nicht, wie es dann geschieht.
Es ist wie mit einer
Schwangerschaft- wo man genau weiss – da kommt irgendwann ein kleines
Kind, aber wann, und wie es aussieht und welche Züge und Eigenheiten es
hat … - das wissen die Eltern nicht …
Das hat viel gemeinsam mit dem Glauben der frühen
Christen, denn auch sie haben gehofft und gewartet- auf Gottes Wirken
und sie haben in Jesus Christus seine Erfüllung gesehen und geglaubt.
Diejenigen, die ihn noch als Mensch erlebten, und die Vielen in den
römischen Provinzen, die es von reisenden Aposteln und Missionaren
hörten.
Erwartung und Erfüllung:
Das sind die herausragenden Worte dieser Zeit – oft in andere Hülsen und
Zusammenhänge verpackt. Davon handelt auch der Galaterbrief mit dem
Predigttext für den 1.WFT im 4. Kapitel:
Paulus schreibt:
Als aber die
Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und
unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren,
erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.
Weil ihr nun
Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen,
der da ruft: Abba, lieber Vater!
So bist du nun
nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch
Gott .
Paulus hat Jesus nicht kennengelernt. Er war zunächst
ein leidenschaftlicher Gegner der Christen, die als jüdische Sekte und
Abweichler verfolgt und hart bestraft wurden, wo man die Mitglieder
erwischen konnte. Am 2. WFT, morgen, haben
wir zugleich das Gedenken an Stephanus, der als einer der Diakone in
Jerusalem gesteinigt wurde.
Aber auch Paulus hat in seinem Leben erfahren:
Erwartung und Erfüllung: Das passt nicht immer ganz zusammen. Gott
erfüllt s e i n e
Versprechen, aber nicht unbedingt die Erwartungen der Menschen –
auch nicht unsere.
Aber Gottes Versprechen wird für die Menschen
fortgesetzt mit der Geburt eines Kindes- seines Sohnes Jesus aus
Nazareth- des Christus.
Gott wird Mensch – so fasst es Johannes der Evangelist
40 Jahre später zusammen. – Gott
mischt sich ein in das Leben der Menschen – das ist die
Weihnachtsbotschaft für jeden einzelnen. Darin erfüllt sich Zeit – für
uns persönlich. Sie wird im Glauben konkret fassbar.
Das heißt: Ich kann auf Gott vertrauen,
in all meinem täglichen Tun und Lassen bin ich nicht auf mich allein
gestellt.
Da gibt es viel mehr als ich ahne, als ich je wissen
werde und jetzt weiß.
„Zeit, die erfüllt wird“ – heißt es in unserem Text –
in dem Paulus dann auch die Kinder Gottes als Betroffene und Aufgerufene
anspricht:
Diese merkwürdige Formulierung:
„Als die Zeit erfüllt war“ –
meint nämlich Gottes Verspre-chen, durch die Propheten
angekündigt –
Und es meint, dass alles seine Zeit braucht.
Auch die Geburt und das Wachsen des Gottessohnes- es
fängt klein an- wie so vieles im Leben. Zwischen der Prophezeiung
Jesajas und der Geburt Jesu vergehen um die 700 Jahre.
Doch das historische Ereignis- das Eintreten in Zeitn
und Raum ist es nicht allein – diese Geburt Jesu aus Nazareth:
Wo Gott wirkt, da will er den einzelnen ansprechen,
gewinnen und verändern.
Es hat also mit jedem Glaubenden, mit jedem einzelnen
von uns zu tun-
Jesu Geburt will uns bis heute erreichen!
In dem Adventslied: Wie soll ich dich empfangen ? –
fragt der Dichter Paul Gerhardt, was das „Ich“ – der Glaubende, tun
kann. Erwarten und Hoffnungen gibt es viele. Wünsche sowieso, aber was
wird anders, wenn ich mich auf Gott einlasse, ihm vertraue ?
Paul Gerhardt findet wie andere in den gebetsähnlichen
Weihnachtsliedern Antwort: „O lass mich do dein Kripplein sein- ach komm
und lege bei mir ein dich und all deine Freuden“ – im Lied „Ich steh an
deiner Krippen hier“, 9.. Str.
Angelus Silesius, christlicher Mystiker, hat das in
der gleichen Zeit ebenfalls gefunden: Dass das Kind entdeckt werden muss
– von uns- von jedem, der glaubt,
dass wir ein persönliches Weihnachten brauchen und
glauben dürfen:
Gott mischt sich ein in unser Leben!
So heißt es im „Cherubinischen Wandersmann“:
Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren – und
nicht in dir – du bleibst noch ewiglich verloren.
Gott schleußt sich unerhört in Kindes Kleinheit
ein.
Ach möchte ich doch ein Kind in diesem Kinde sein.
Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden,
Gott würde noch einmal Kind auf dieser Erden.
Merk, in der Stillen Nacht wird Gott, ein Kind,
geboren,
und wiederum ersetzt, was Adam hat verloren.
Ist deine Seele still und dem Geschöpfe nacht,
so wird
Gott in dir Mensch und alles wiederbracht.
Hier liegt das werte Kind, der Jungfrau erste Blum,
der Engel Freud und Lust, der Menschen Preis und
Ruhm.
Soll er dein Heiland sein und dich zu Gott erheben,
so musst du nicht sehr weit von seiner Krippe leben.
Der Himmel senkt sich, er kommt und wird zur Erden;
Wann steigt die Erd empor und wird zum Himmel
werden ?
Paulus schreibt an seine galatische Gemeinde, dass
genau die Geburt, das Leben und Wirken, der Tod Jesu aus Nazareth am
Kreuz den glaubenden Menschen – der nun nicht mehr unter dem alten
jüdischen Gesetz steht, zu einem Kind Gottes macht.
Weihnachten 2007 erfüllt sich. Wir leben darin mit
unseren Hoffnungen und Erwartungen.
Haben wir ein bisschen Platz gelassen für die gute
Nachricht, das Jesus Christus geboren wurde – auch für uns, für unser
Leben ?
Ich wünsche uns die Freude der Weihnacht und die
Gewissheit, dass Gott nicht alle unsere Wünsche, aber seine Verheißungen
wahr macht. Das macht uns zu Kindern Gottes, die nicht alles fürchten,
nicht allem nachlaufen müssen – gerade deshalb lasst uns Weihnachten
feiern – auch hier in de Gemeinde, miteinander,
mit den Liebsten, mit Freunden und Nachbarn.
Amen.
Predigt zu Mk 10,35-45 –
JUDICA – 29.03.09
Die Güte Gottes, die Liebe Jesu Christi und die
Gemeinschaft aus dem Heiligen Geist
sei unter uns allen ! Amen.
Liebe Gemeinde,
In unseren Gesellschaften brauchen wir Strukturen- im
Grunde in allen Lebensbereichen. Verantwortliche, die Aufgaben
übernehmen, die oft auf Grund ihrer Fähigkeiten und Ausbildung leiten
und Entscheidungen treffen, Leute die andere anleiten und deren Arbeit
organisieren. In der Politik, bei Vereinen, in Ausschüssen werden
Menschen auch als Volksvertreter gewählt- BVV, Abgeordnetenhaus,
Bundestag, ja selbst die Kanzlerin und der Bundespräsident und das
Kabinett wurden so als Diener des Volkes gewählt- meist von Gremien oder
Parlamenten. Minister heißt ja auch übersetzt „Diener“. Selbst in einer
gemeinschaftlichen Leitung muss es Leitung geben, die dann auf Bereiche
verteilt ist, nicht selten gibt es dann auch Schwierig-keiten der Leute
miteinander. In der Politik erleben wir in der Gegenwart aber auch
Anderes – und aus der Geschichte der Völker sind uns haarsträubende
Beispiele überliefert: Aus der Bibel etwa in den Königsbüchern: Wenn in
Israel oder Juda ein neuer König an die Macht kam, hat er oft als erstes
versucht, seine Macht zu festigen und auszubauen. In der Regel wurden
alle männlichen Geschwister und Verwandten sowie Widersacher – ermordet.
Bei den Germanenstämmen und speziell den Wikingern, z.B. in der
Normandie oder in England war es nicht anders: Jeder männliche jüngere
Verwandte musste praktisch um sein Leben fürchten- egal wie er zum neuen
Herrscher stand …
Menschen nutzen die zum Zusammenleben nötige Macht und
Gewaltausübung – oft skrupellos aus. Hitler und auf seine Weise Stalin
sind da nur die Extrembeispiele einer Alltagskultur der Macht, wenn sie
keine Regularien mehr hat. Da im Mittelalter quasi alle getaufte
Christen waren, sind feudale Machtstrukturen wie auch der Umgang mit
Macht bei unseren Glaubensvorfahren nicht anders gewesen. Auch in den
Kirchen: und so entsetzte es Reformatoren wie Martin Luther, dass
z.B. ein Papst in goldener
Rüstung durch Rom reiten konnte oder einen Kreuzzug gegen eine
verfeindete Adels-familie ausrufen konnte.
Nicht selten gibt auch der Vertretergedanke besondere
Macht: „Im Namen des Volkes“ agiert die Regierung und spricht der
Richter sein Urteil, im Namen Gottes erklärt der Papst seine Weisungen,
handeln aber auch Priester und Pfarrer, wenn sie liturgische Feiern
zelebrieren oder das Abendmahl feiern. Was für eine Macht einem da
gegeben ist – und welche Gefahr …
Jesus weiß das
und er reagiert in der eben gehörten Geschichte auf solche Machtgelüste:
Jakobus und Johannes- diesmal nicht Petrus - haben einen besonderen
Wunsch: Als Jesus sein Leiden, Sterben und Auferstehen ankündigt, bitten
sie ihn, in Gottes Herrlichkeit zu seiner Rechten und Linken sein zu
dürfen: Das war wie vor einem Thron gedacht – die engsten Berater rechts
und links vom König. Ein Herrschaftsanspruch, die besondere Macht Gottes
zu haben und auszuüben ! – Jesus muss reagieren und er ruft alle Jünger
zusammen, den das Murren und die Streitigkeiten brodeln längst … Und er
sagt: „…
zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner
Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen
zuteil, für die es bestimmt ist.“
Und den versammelten Jüngern
sagt er:
„Ihr wißt, die als Herrscher gelten, halten ihre
Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
Aber so ist es unter euch
nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht
sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß
er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als
Lösegeld für viele.“
Als wusste Jesus von
bevorstehenden Streitigkeiten, Verrat und Machtkämpfen auch in den
frühen christlichen Gemeinden, zeigt er einen anderen Weg auf: Wer Macht
ausübt, soll dienen und sich nicht erheben.
„Unter Euch soll es anders sein“
– so bei Matthäus, Aber so ist es unter euch nicht;-
heißt es bei Markus.
Eine Musik von Herbert Grönemeyer ist mir dazu
eingefallen: Ein Stück vom Himmel
Spielen: „Ein Stück vom Himmel“
„Warum in seinem Namen, wir heißen selber auch;
Wann stehen wir für unsere Dramen, ER wird viel zu oft
gebraucht, alles unendlich, unendlich, welche Armee ist heilig, du
glaubst nicht besser als ich, die Bibel ist nicht zum einigeln, die Erde
ist unsere Pflicht. Sie ist freundlich, freundlich, wir eher nicht.“
Refrain:
„Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott,
ein Stuhl im Orbit, wir sitzen alle in
einem Boot, hier ist dein Heim, Hier ist
dein Haus,
hier ist, was zählt: Du bist überdacht von einer
grandiosen Welt.
Soweit Herbert Grönemeyer …
Jesus hebt warnend seine Stimme und mahnt:
Vielleicht ist es gerade die Gemeinschaft, die Jesus
im Blick hat: Erhebt sich einer und spielt er seine Macht aus, so ist
sie gefährdet, das Miteinander droht in Spaltung unterzugehen.
Doch die Gemeinschaft Jesu Christi, die er gegründet
hat, ist etwas anderes, sie ist viel mehr als dass sie durch
Querelen und Eitelkeiten oder politischer Ansprüche einzelner oder von
Gruppen zu gefährden ist.
Vor fast genau 75 Jahren ist
die erste Bekenntnissynode in Barmen- Wuppertal zusammengekommen- im
Angesicht einer Kirchenspaltung und eines großen Wahlerfolges der sog.
„Deutschen Christen“ haben die Vertreter aus den Bekenntnisgemeinden-
und Gruppen als Evangelische Glaubenswahrheit ausgesprochen, dass
Jesus Christus das e i n e Wort Gottes ist, das man glaubt, und dem man
gehorcht, auf das es ankommt. Und dass die Kirche ihre Botschaft
nicht jeweiligen Strömungen und Mächten anpassen kann und darf. Die
Barmer Theologische Erklärung (EG 810) ist so zu einem Bekenntnis
geworden - Was ist Kirche, was ist ihr Auftrag , was kann sie, was muss
sie tun ? – Sind die Fragen die dabei gestellt werden.
Wir als Gemeinde sind Teil der Kirche.
Im Gottesdienst, in Gemeindeveranstaltungen, auf einer
Gemeindeversammlung, beim Abendmahl erleben wir sichtbar diese
Gemeinschaft.
Sie ist nicht homogen, viele Menschen fehlen uns oft,
sehr unterschiedlich sind unsere Interessen, Neigungen, Traditionen und
mitunter sogar Glaubensanschauungen. Und doch sind wir verbunden: als
e i n e Gemeinde, als
Kirche Jesu Christi. Das darf man nicht aufs Spiel setzen, aber man muss
es sich immer wieder bewusst machen: „Unter Euch ist es anders“ – so
ruft Jesus seinen Jüngern zu, als sie eigentlich schon zerstritten sind
als murrende, in Grüppchen zersprengte Jünger. – Ein
Hoffnungswort, das in die Zukunft reicht.
Unter Euch wird es anders sein. So könnte man Jesu
Wort als Versprechen deuten.
Ja, unter uns soll es anders sein- und jeder kann
seinen Teil dazu beitragen. Zu einer lebendigen Gemeinschaft, die im
Glauben an Jesus Christus verbunden ist- Alte und Junge, Männer und
Frauen, Vermögende und Arme, Kranke und Gesunde, Traurige und Fröhliche
– eben wir.
Amen.
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